Optikkunde

Wer sich mit der Astronomie beschäftigt, muss sich zwangsweise auch ein wenig mit der Optik und den Teleskoptypen auseinander setzen.

Diese wollen wir hier ein wenig näher bringen.

Warnung!

...bevor es zu spät ist!

Leider gibt es immer wieder ein paar schwarze Schafe am Markt, die sich Astrohändler nennen wollen. Aber zu oft liest man, dass jemand sich ein Teleskop XY gekauft hat und es aus Frust wegen falscher Versprechungen in die Ecke gestellt hat.

Öffnung und Vergrößerung?

Betrachtet man diverse Angebote in Online-Auktionshäusern sieht man fantastische Werte:


Linsenteleskop 60mm Durchmesser, 700mm Brennweite, 525fache Vergrößerung, viel hochwertiges Zubehör, stabile Montierung...


Die Vergrößerung von 525fach kann man erreichen, klar, aber wie? Es gilt Brennweite in mm / Okularbrennweite in mm * Vergrößerung der Barlowlinse. In unserem Beispiel hat der "Händler" also mit einem 4mm Okular und einer 3fach Barlowlinse gerechnet. Aber das ist leider NICHT REALISTISCH. Die maximal sinnvolle Vergrößerung ergibt sich aus etwas dem doppelten der Öffnung, hier also etwa 120-fach.

Preise und Verarbeitung

Das o. g. Teleskop würde in unserem Beispiel so etwa 40 Euro kosten. So günstig ein Teleskop mit dem Zubehör anzubieten wirkt sich negativ auf die Qualität aus. Die Linsen (vielleicht bis auf die Frontlinse) werden vermutlich alle aus Plastik sein. Die Okulare haben ein seltsames Einblickverhalten, der Auszug wird auch nichts taugen. Hier ist also Frust vorprogrammiert. Und durch die schlechte Qualität können wir die maximal sinnvolle Vergrößerung runter setzen auf vielleicht 90 bis 100fach.

Das wird wackeln!

Zwei Sachen sind bei unserem Wetter wichtig: wolkenfreier Himmel und eine stabile Montierung (danach kommt dann die Öffnung). Leider sind die meisten azimutalen Montierungen (sh. auch hier), die bei solchen Angeboten mitgeliefert werden, nicht mal für ein Fernglas stabil genug. Wie sollen Sie dann, ein Teleskop mit der 10 bis 15fachen Hebelwirkung stabil halten?

Andere seltsame Werte

Es gibt Reflektorteleskope mit 114mm Öffnung und 1000mm Brennweite, klingt schon mal nicht schlecht. Schaut man sich aber das Bild an, so wundert man sich etwas über die kurzen Maße von nicht mal 50cm. Wie kann das sein? Direkt am Okularauszug ist eine Art Barlowlinse eingebaut. Diese verdoppelt die Brennweite. Das wirkt sich in zweierlei Hinsicht negativ aus. Erstens schluckt jede Linse Licht und damit sinkt die maximal sinnvolle Vergrößerung wieder. Zweitens macht diese Linse das Justieren des Teleskopes zu einem wahren Kampf und damit hätten wir wieder einen gefrusteten Astroeinsteiger.

Was soll man sich dann kaufen?

Das kommt auf das Portemonnaie und auf die Wünsche des Einsteigers an.
Auf diesen Seiten haben wir die verschiedenen Teleskoptypen und deren Stärken zusammengefasst. Die "eierlegende Wollmichsau" gibt es auch in unserem Hobby nicht, daher:

  • Informiert Euch ausgiebig in den Foren, da wird jedem Einsteiger gern geholfen oder fragt uns
  • überlegt Euch vorweg genau, was Ihr beobachten wollt
  • fangt mit einem Fernglas (irgendwo habt Ihr bestimmt eines) an und genießt den Himmel mit dem bloßem Auge
  • besorgt Euch Lektüre und lernt den Himmel und dessen Mechanik schon mal ein wenig kennen!

Fazit

Nicht auf blauen Dunst etwas kaufen. Lieber fragen und nachlesen. Fallt nicht auf die ewigst hohen Versprechungen der o. g. schwarze Schafe rein. Achtet nicht auf die tollen Verpackungen und deren Bilder. Und: Sterne bleiben kleine Punkte auch im besten Teleskop!


Wir wollen Euch nicht gleich den Einstiegsspaß vermiesen. Wir wollen aber erst recht nicht, dass Ihr Geld für Schrott ausgebt. Beherzigt ein paar Tipps und dann habt Ihr auch Spaß an diesem faszinierenden Hobby!

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